31. August 2015

Bayer erweitert klinisches Entwicklungsprogramm von Finerenone um drei Phase-III-Studien bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Patienten mit diabetischer Nierenerkrankung

Entscheidung basiert auf Daten von vier Dosisfindungsstudien bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und diabetischer Nierenerkrankung
Berlin, 31. August 2015 - Bayer HealthCare erweitert das klinische
Entwicklungsprogramm seines neuartigen, oralen, nicht-steroidalen
Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) Finerenone (BAY 94-8862) um drei
neue Phase-III-Studien. Die Studien werden die Wirksamkeit und Sicherheit von
Finerenone bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz sowie Patienten mit
diabetischer Nierenerkrankung untersuchen. Die ersten Patienten sollen Ende des
Jahres in die Studien aufgenommen werden. Trotz medizinischer Fortschritte ist
die chronische Herzinsuffizienz immer noch eine tödliche Krankheit, bei der die
Fünf-Jahres-Überlebensraten vergleichbar sind mit denen von Patienten mit
fortgeschrittenem Krebs. Die diabetische Nierenerkrankung ist eine häufige
Folgeerkrankung von Diabetes und in der westlichen Welt die häufigste Ursache
von Nierenversagen im Endstadium (end-stage renal disease, ESRD). Mehr als 40
Prozent der neuen Fälle von ESRD lassen sich auf Diabetes zurückführen.

"Die Finerenone-Daten, die wir bis heute über das klinische
Entwicklungsprogramm hinweg gesehen haben, stimmen uns sehr zuversichtlich,
Phase III-Studien für Finerenone in zwei wichtigen Indikationen mit hohem
medizinischen Bedarf zu beginnen", sagte Dr. Jörg Möller, Mitglied des Bayer
HealthCare Executive Committee und Leiter der Globalen Entwicklung. "Wir freuen
uns, Finerenone als ersten Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten parallel in
den Indikationen chronische Herzinsuffizienz und diabetische Nierenerkrankung
zu entwickeln. Unser Ziel ist es zu untersuchen, ob Finerenone die
kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität sowie das Fortschreiten der
Nierenfunktionsstörung in diesen Patienten reduzieren kann, dabei aber ein gut
verträgliches Sicherheitsprofil aufweist."

Die Initiierung der Phase-III-Studie FINESSE-HF in der Indikation chronische
Herzinsuffizienz basiert auf vielversprechenden Ergebnissen der explorativ
angelegten Phase-IIb-Studie ARTS-HF. Diese wurden heute auf dem diesjährigen
Kongress der ESC (European Society of Cardiology) in London in einer Hot Line
Session präsentiert. ARTS-HF untersuchte die Wirkung verschiedener
Finerenone-Dosierungen im Vergleich zu Eplerenon bei Patienten mit
fortschreitender chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion
(HFrEF) sowie Typ-2-Diabetes mellitus mit oder ohne chronische
Nierenerkrankung. An Tag 90 zeigte Finerenone eine Reduktion des
Surrogatparameters NT-proBNP in vergleichbarem Ausmaß wie hochwirksames
Eplerenon. Bei den klinischen Endpunkten wie allgemeiner Sterblichkeit oder
kardiovaskulärer Hospitalisierung zeigte Finerenone eine bedeutende
Verminderung dieser Ereignisse gegenüber Eplerenon, besonders in der
Finerenone-Dosierung von 10/20 mg. Alle Finerenone-Dosierungen waren gut
verträglich und das Auftreten therapiebedingter Nebenwirkungen war zwischen
Eplerenon und allen Finerenone-Dosierungen vergleichbar. An der Studie ARTS-HF
nahmen insgesamt 1.055 Patienten aus 25 Ländern teil.

Die geplante Phase-III-Studie FINESSE-HF wird Finerenone im Vergleich zu
Eplerenon bei mehr als 3.600 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und
reduzierter Ejektionsfraktion sowie Typ-2-Diabetes mellitus mit oder ohne
chronische Nierenerkrankung in mehr als 35 Ländern untersuchen, darunter
europäische Länder, Japan, China und die USA. Patienten erhalten Finerenone
oder Eplerenon zusätzlich zur Standardtherapie derzeit bestehend aus
Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) Inhibitoren oder
Angiotensin-Rezeptorblockern (ARBs) und ß-Blockern.

Die Phase-III-Studien FIGARO-DKD und FIDELIO-DKD bei diabetischer
Nierenerkrankung werden aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse der
Phase-IIb-Studie ARTS-DN gestartet. Diese wurden im März dieses Jahres auf dem
Weltkongress der Nephrologie präsentiert (WCN, World Congress of Nephrology).
An der ARTS-DN-Studie nahmen 823 Patienten mit Typ-2-Diabetes und der
klinischen Diagnose einer diabetischen Nierenerkrankung aus insgesamt 23
Ländern teil; sie wurden über einen Zeitraum von 90 Tagen behandelt. Die einmal
tägliche Gabe einer Finerenone-Tablette zusätzlich zu einer Behandlung mit
ACE-Inhibitoren und / oder ARBs (zusammen bezeichnet als
Renin-Angiotensin-System (RAS)-Hemmer) führte zu einem signifikanten Rückgang
der Eiweißausscheidung im Urin (Albuminurie). Unter der Finerenone-Therapie kam
es zu keiner negativen Beeinflussung der Kaliumspiegel im Serum oder der
Nierenfunktion verglichen mit der Standardtherapie bestehend aus RAS-Hemmern
und Placebo. Alle Finerenone-Dosierungen waren gut verträglich und das
Auftreten therapiebedingter sowie schwerer Nebenwirkungen unter den
verschiedenen Finerenone-Dosierungen war mit denen unter Standardtherapie
vergleichbar.

Das Phase-III-Programm im Bereich diabetischer Nierenerkrankung umfasst zwei
Studien. In der FIGARO-DKD-Studie wird Finerenone bei 6.400 Patienten mit der
klinischen Diagnose einer diabetischen Nierenerkrankung - hauptsächlich solchen
mit geringer Eiweißausscheidung im Urin (Mikroalbuminurie) - gegen
Standardtherapie plus Placebo verglichen. Mikroalbuminurie bezeichnet eine
Albuminausscheidung im Urin und wird definiert durch einen
Albumin/Kreatinin-Quotienten (UACR) zwischen 30 und 300 mg/g. Die
FIDELIO-DKD-Studie wird Finerenone im Vergleich zu Standardtherapie und Placebo
bei weiteren 4.800 Patienten mit diabetischer Nierenerkrankung und überwiegend
starker Eiweißausscheidung im Urin (auch bekannt als Makroalbuminurie;
Albumin/Kreatinin-Quotient >300mg/g) untersuchen. Beide Studien werden in etwa
40 Ländern durchgeführt, darunter europäische Länder, Japan, China und die USA.
Patienten erhalten entweder Finerenone oder Placebo jeweils zusätzlich zur
Standardtherapie bestehend aus RAS-Hemmern wie ACE-Inhibitoren oder ARBs.

Über Finerenone
Finerenone (BAY 94-8862) ist ein neuartiger, wirksamer und selektiver
nicht-steroidaler Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist (MRA), der die
schädliche Wirkung der durch Aldosteron ausgelösten Mineralokortikoidrezeptor
(MR) Überaktivierung hemmt. Eine erhöhte Aktivierung des MR führt zu
pathologischen Veränderungen im Herzen und in den Nieren, die sich durch eine
wirksame Hemmung des MR verhindern lassen. Die derzeit auf dem Markt
befindlichen steroidalen MRAs senken nachweislich die kardiovaskuläre
Sterblichkeit bei Patienten mit Herzinsuffizienz und verminderter
Ejektionsfraktion (HFrEF). Sie werden jedoch oft nur begrenzt eingesetzt, da
unter diesen Medikamenten Hyperkaliämien, Nierenfunktionsstörungen und
antiandrogene bzw. gestagene Nebenwirkungen auftreten können. Finerenone, ein
MRA der dritten Generation, hat in den vorklinischen Studien und in Phase I und
II eine vielversprechende Wirkung bei guter Verträglichkeit gezeigt.

Über Herzinsuffizienz
Die Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten internistischen Erkrankungen mit
altersabhängiger Inzidenz und Prävalenz sowie steigender Diagnoserate. Dies
liegt hauptsächlich daran, dass Herzinfarkte heute immer seltener tödlich
verlaufen und die Lebenserwartung weltweit stetig ansteigt. Teilt man die
Herzinsuffizienz nach ihrer Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) ein, so lassen
sich zwei Formen beschreiben: Die Herzinsuffizienz mit reduzierter
Ejektionsfraktion (heart failure with reduced ejection fraction oder kurz
HFrEF), früher als systolische Herzinsuffizienz bezeichnet, zeichnet sich durch
eine verminderte Auswurfleistung während des Kompressionszyklus aus, so dass
nicht ausreichend Blut in den Körperkreislauf gepumpt wird. Diese Form der
Herzinsuffizienz tritt als Spätfolge ganz unterschiedlicher
Herz-Kreislaufkrankheiten auf, insbesondere der koronaren Herzkrankheit. Sobald
einmal eine HFrEF besteht, schreitet sie immer weiter fort, weil die Struktur
und Funktion des Herzens über eine Reihe von Mechanismen negativ beeinflusst
werden. Die aktuell wirksamsten medikamentösen Behandlungen für HFrEF setzen an
der übermäßigen Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und des ß-
adrenergen sympathischen Nervensystems an. Trotz moderner Medikamente sind die
Morbidität und die Mortalität bei der Herzinsuffizienz hoch und steigen nach
Episoden mit akuter Dekompensierung sogar noch weiter an. Die zweite Form der
Herzinsuffizienz ist die Insuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF
oder heart failure with preserved ejection fraction), früher auch als
diastolische Herzinsuffizienz bezeichnet. Diese Form der Herzinsuffizienz
zeichnet sich durch eine Versteifung des Herzens aus, die zu einer gestörten
Dehnbarkeit des Herzens führt, das deswegen gegen einen erhöhten Widerstand
gefüllt werden muss, ehe das Blut von dort in den Körperkreislauf gepumpt wird.
Aktuell gibt es keine zugelassenen Medikamente für die Behandlung von HFpEF.

Über die diabetische Nierenerkrankung
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetikern können die Nieren
schädigen. Übermäßig erhöhte Aldosteron-Spiegel und MR-Überaktivierung führen
zu schädlichen Prozessen (z.B. Entzündung und Fibrose) in Herz und Nieren bei
diesen Patienten. Die Filtrationsleistung der Nieren - die glomeruläre
Filtrationsrate oder kurz GFR - nimmt ab, hinzu kommt ein stetig wachsender
Eiweißverlust, da die geschädigte Niere Eiweiß in den Urin ausscheidet
(Albuminurie). Im Laufe der Zeit können die Nieren völlig versagen. Ohne
regelmäßige Dialyse oder eine Nierentransplantation verläuft ein Nierenversagen
immer tödlich. Die diabetische Nierenerkrankung ist weltweit die häufigste
Ursache für Nierenversagen.

Über Kardiologie bei Bayer
Bayer steht für Science For A Better Life, um durch die Weiterentwicklung
seines Portfolios an innovativen Therapien, das Leben von Menschen zu
verbessern. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft ein
schwerwiegendes Problem. Bayer arbeitet in einem großen Spektrum
therapeutischer Gebiete an neuen Behandlungsansätzen für Herz-Kreislauf-,
Lungen- und Nierenerkrankungen. Der Kardiologiebereich bei Bayer umfasst
bereits eine Reihe an Produkten sowie mehrere andere Wirkstoffe in
unterschiedlichen präklinischen und klinischen Entwicklungsstadien. In ihrer
Gesamtheit spiegeln diese Produkte den Forschungsansatz des Unternehmens wider,
der die Suche nach geeigneten Zielmolekülen (Targets) und Signalwegen zur
Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen in den Vordergrund stellt.

Über Bayer HealthCare
Die Bayer AG ist ein weltweit tätiges, forschungsbasiertes und
wachstumsorientiertes Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Gebieten
Gesundheit, Agrarwirtschaft und hochwertige Materialien. Mit einem Umsatz von
rund 20,0 Mrd. Euro (2014) gehört Bayer HealthCare, ein Teilkonzern der Bayer
AG, zu den weltweit führenden innovativen Unternehmen in der
Gesundheitsversorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Produkten. Das
Unternehmen mit Sitz in Leverkusen bündelt die Aktivitäten der Divisionen
Animal Health, Consumer Care, Medical Care sowie Pharmaceuticals. Ziel von
Bayer HealthCare ist es, Produkte zu erforschen, zu entwickeln, zu produzieren
und zu vertreiben, um die Gesundheit von Mensch und Tier weltweit zu
verbessern. Bei Bayer HealthCare arbeiten weltweit 60.700 (Stand: 31.12.2014)
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern. Mehr Informationen
unter www.healthcare.bayer.de

Das Pressecenter von Bayer HealthCare ist nur einen Klick entfernt:
presse.healthcare.bayer.de

Mehr Informationen finden Sie unter www.bayerpharma.de.

Zukunftsgerichtete Aussagen

Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen
enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der
Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen.
Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere
Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage,
die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier
gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein,
die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen
auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt
keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben
und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.